Zeitzeugin besucht Adolf-Reichwein-Schule
(jm) Worte, die bewegen. Erfahrungen, die mitnehmen. Dieser Montag zeigte sich als besonderer und sehr besinnlicher Tag an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS). Es war ein ganz große Ehre, Henriette Kretz an unserer Schule begrüßen zu dürfen. Eine Dame, die aus ihrem Leben berichtete, über eine Zeit, in der vieles grausam und unmenschlich war. Doch hinter Türen und in den Herzen von einigen mutigen Menschen gab es auch Funken von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, in Zeiten, in denen Krieg, Verwüstung und Verfolgung herrschte. Menschen wurden aufgrund ihrer Ethnie oder ihrer Absichten verfolgt und auch umgebracht. Nur ganz wenige trauten sich, so berichtete Henriette Kretz, geboren 1934 als Jüdin in der Nähe von Lemberg, damals polnische Stadt und heute Teil der Westukraine, Verfolgten zu helfen, um diese aus dem tyrannischen Zugriff der Nazi-Deutschen zu befreien. Die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, die Schoah, darüber sprach Henriette Kretz als Zeitzeugin. Private Schicksalsschläge, Hinrichtungen, Verhaftungen, das Leben im Ghetto und glücklicherweise die Rettung, Lebensphasen, die alle Zuhörerinnen und Zuhörer packten.
“Menschlich und mutig sein, Verfolgten eine Obhut geben und sie vor den Besatzern zu schützen, dieses Risiko gingen nur ein Bruchteil der Menschen ein”, so Henriette Kretz. Über sie als Kind im Alter von sechs Jahren war schon das Todesurteil gesprochen worden und ihre Odyssee in die Freiheit bezahlten ihre Eltern mit dem Tod, ebenso wie auch ihre Unterstützerfamilie in Polen.
Wie verschlungen und riskant ihre Kinderjahre in der Kriegszeit waren, verdeutlichte Henriette Kretz mit Episoden ihres Lebens, die alle Anwesenden in der Aula sehr bestürzten. Denn ein Kindheit als Jüdin in diesem menschenverachtenden Zeitraum des zweiten Weltkrieges führt für viele in den Tod. Aus all den vielen Passagen ihres jungen Lebens keimte immer die Vorstellung, Menschen können gemeinsam in Frieden leben. Der Wille zum Leben und der Glaube an das Gute im Menschen hat Henriette Kretz zu einer Dame werden lassen, die diese Botschaft gerne an die jüngere Generation weitergeben möchte. Seit Jahren besucht sie Schulen, um ihre Botschaft des friedlichen Miteinanders zu vermitteln. Ihre Lebensgeschichte ist Beweis für Güte und Herzenskraft. Ihre Zeit als jüdisches Mädchen in der NS-Diktatur belegt: Friede ist die Grundlage des menschlichen Miteinanders und Krieg niemals ein Weg, Lösungen zu finden.
“Bitte haltet alle Sinne offen, um auch heute nicht eingefangen zu werden von falschen politischen Versprechungen. Die Zeit kann sich vielleicht wiederholen, daher sollten alle jungen Menschen vorsichtig sein, und sich nicht von falschen politischen Agitationen einfangen zu lassen”, so Henriette Kretz, die heute in Antwerpen lebt mit einer glücklichen, große Familie von Kindern, Enkeln und nun auch einem Urenkel. Ihr Buch “Willst Du meine Mutter sein?” nimmt bestimmt die Leser so mit, wie es ihr Vortrag an der ARS mit den vielen Zuhörerinnen und Zuhörern tat. Die gesamte Aula war gefüllt und der Besuch der Zeitzeugin Henriette Kretz bewegte jeden vor Ort.
Ein von Herzen gesprochenes Danke an Henriette Kretz, ebenso auch ein großes Dankeschön an die Initiatoren der Veranstaltung: den respekt-Coaches der Caritas, der AG gegen Rassismus und dem Bistum Limburg, deren Vertreter Dr, Marc Fachinger die Veranstaltung moderierte. Wir wüschen uns alle, dass Henriette Kretz noch viele Jahre ihre Botschaft an die junge Generation überbringen kann.







